Atmungstherapeut:innen

Christopher Bublitz and Kathrin Ebertsch B.A./ Juli 4, 2022/ Beruflich Pflegende, Pflegestudierende/ 0Kommentare

Die Weiterbildung des Atmungstherapeuten/der Atmungstherapeutin

Was sind die Zulassungsvoraussetzungen für die Teilnahme an der Weiterbildung?

  • Examinierte Gesundheits- und Krankenpfleger:innen, Kinderkrankenpfleger:innen sowie Altenpfleger*innen mit dreijähriger Ausbildung nach dem Altenpflegegesetz
  • Examinierte Physiotherapeuten und Physiotherapeutinnen
  • Jeweils mit mindestens zweijähriger Berufspraxis

Was sind die Rahmenbedingungen der Weiterbildung?

  • Dauer: 2 Jahre
  • Die Weiterbildung erfolgt nebenberuflich.

Was ist der Inhalt der Weiterbildung?

  • Theoretischer Unterricht (280h)
  • Selbststudium (60h)
  • Praktika in kooperierenden Lungenfachkliniken
    • Inhalte: Diagnostik; Pneumologie; Pneumologische Normalstation mit Schwerpunkt COPD & Differentialdiagnostik, wenn vorhanden Onkologie, Infektiologie; Begleitung Physio-/Ergo-/Atmungstherapeut:innen, ggf. Logopäden; Thoraxchirurgie; Intensivmedizin; Beatmungsmedizin mit prolongiertem Weaning, außerklinischen Beatmungseinstellungen & Kontrolle; Pneumologische Rehabilitation
  • Mündliche & praktische Evaluation (am Ende jedes Praktikumseinsatzes)
    • Inhalte:
      • Selbstständige Durchführung & Befundinterpretation einer Spirometrie, Messung Peak-Flow bzw. Peak-cough-Flow, Blutgasanalyse
      • Anlegen einer Polygraphie & grobe Befundinterpretation, Anlegen einer transcutanen PCO2-Messung & grobe Befundinterpretation
      • Vorbereitung & Assistenz einer Bronchoskopie, inkl. Management der entnommenen Proben
      • Anwendung von Aerosolen & Verneblern, Sauerstoffanwendung & Patientenaufklärung über die Krankheit COPD
      • Erklärung & Funktion pleuraler Drainagesystem inkl. moderner Pumpensysteme, Vorbereitung & Anschluss eines Drainagesystems
      • Einstellung vorgegebener Beatmungsmodi & -parameter an einer bekannten Maschine, Durchführung einer nichtinvasiven Beatmung bei exazerbierter COPD & Wechsel einer Trachealkanüle
      • Einleitung einer außerklinischen Beatmung, Einstellen einer elektiven nichtinvasiven Beatmung, Patientenschulung nichtinvasive außerklinische Beatmung, Sekretmanagement bei Patient:innen mit vermindertem Hustenstoß
      • Anleitung während der pneumologischen Rehabilitation zu den Themen ADL-Training, Mobilisierung-Atemtherapie, Anwendung von physiotherapeutischen Hilfsmitteln

Was gehört zur erfolgreichen Kursteilnahme?

  • Erstellung einer Facharbeit mit einem fachbezogenen Thema
  • Prüfung (schriftlicher Teil, Präsentation der Facharbeit, mündliches Fachgespräch)

Das Profil des Atmungstherapeuten/der Atmungstherapeutin

Kompetenzen

  • Professionelle Betreuung von Menschen mit Atemwegs- & Lungenerkrankungen
  • Durchführungsverantwortung für diagnostische & therapeutische Maßnahmen & die Patienteninformation,-beratung & -betreuung im Vordergrund
  • Delegation einiger, bisher Ärzt:innen zugeordneten Tätigkeiten ist unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben vorgesehen.
  • Interprofessionelle Zusammenarbeit mit Ärzt:innen, Pflegenden & anderen Therapeut:innen im Vordergrund (Arbeiten unter der fachlichen & organisatorischen Verantwortung eines Facharztes bzw. einer Fachärztin)
  • Basiswissen zu den klinisch-praktischen Kompetenzen für unterschiedliche Aufgabenbereiche, die es Atmungstherapeut:innen ermöglichen, evidenzbasiert verantwortungsvolle Aufgaben in der Krankenversorgung zu übernehmen.
  • Durchführung von funktionsanalytischen & Monitoring-Untersuchungen & Interpretation in den Grundlagen
  • Fachgerechte Durchführung der Inhalations-& Sauerstofftherapie, der nichtinvasiven und invasiven Beatmung inklusive Weaning, Atemweg- & Sekretmanagement
  • Zielgerichtete und patientenorientierte Anwendung von didaktischen Prinzipien in der Patientenanleitung, -beratung & -schulung

Beispiele

Atmungstherapeut:innen wählen nach Evaluation der funktionellen Fähigkeiten eines Patienten bzw. einer Patientin die optimal erscheinenden Inhalationsdevice aus, nachdem der bzw. die behandelnde Arzt bzw. Ärztin die Medikamentenordnung vorgenommen hat. Sie schulen den Patient bzw. die Patientin in der Anwendung dieser Device und überprüfen die Anwendung. Dies erfordert theoretisches Wissen über Aerosole.

Kenntnisse

  • Über Pathophysiologie & Formen pneumologischer Erkrankungen
  • Kennt Verfahren & Assessment-Instrumente zur Diagnostik & Beurteilung pneumologischer Erkrankungen.
  • Versteht die Wirkungen & Wirkzusammenhänge der medikamentösen & nichtmedikamentösen Therapien pneumologischer Erkrankungen.
  • Kennt Präventionsmöglichkeiten im Hinblick auf Entstehung & Fortschreiten pneumologischer Erkrankungen.
  • Kennt den Zusammenhang von pneumologischen & anderen Erkrankungen.
  • Kennt die Basis wissenschaftlicher Betrachtungsweisen.

Fähigkeiten

  • Individuelle Information, Beratung & Anleitung von Patienten und Patientinnen
  • Unterstützung der Erkennung & Nutzung individueller Ressourcen und Eingehen auf die individuellen Patientenbedürfnisse
  • Unterstützung einer gesundheitsfördernden Lebensführung
  • Koordination im interprofessionellen & multidisziplinären Team
  • Analyse & Überprüfung der eigenen Handlungsstrategie

Arbeitsinhalte (beim Einsatz auf der Intensiv-/IMC-/Heimbeatmungsstation)

  • Beatmungseinstellung nach Protokollvorgabe bzw. in Absprache mit dem Arzt
  • Dokumentation von Beatmungssituation & Einstellungsänderungen im Beatmungsprotokoll
  • Erkennen respiratorischer Komplikationen & Einleitung einer spezifischen Therapie in Absprache mit dem Arzt
  • Erkennen infektiöser Komplikationen
  • Beatmungsentwöhnung (Weaning) nach Vorgaben
  • Besondere Beobachtung von Risikopatienten & Intensivierung der Patientenbetreuung
  • Blutabnahme & Blutgasanalyse
  • Trachealkanülenwechsel
  • Tracheostomapflege
  • Bronchialtoilette
  • Sekretmobilisation, Hilfe bei Sekretexpektoriation
  • Inhalation (Auswahl Inhalationssystem, Auswahl Medikament in Absprache mit Arzt/Ärztin, Überprüfung der richtigen Anwendung)
  • Auswahl & Überprüfung von Anfeuchtungssystemen
  • Mobilisation & Training von Alltagsaktivitäten
  • Sauerstofftherapie
  • Einleitung oder Optimierung der nichtinvasiven Beatmung
  • Schulung von Patient:in, Angehörigen & Pflegepersonen bezüglich Beatmungs-& Sauerstofftherapie, Notfallmaßnahmen
  • Überleitmanagement
  • Palliativmedizinische Patientenbegleitung

Literatur

Karg, O. (2016): Curriculum für die Weiterbildung zur*m Atmungstherapeut*in der DGP. Online verfügbar unter: https://www.pneumologie.de/storage/app/media/uploaded-files/Curriculum_AT_2022.pdf (zuletzt geprüft am 08.07.2022).

Karg, O.; Bubulj, C.; Esche, B., Geiseler, J.; Bonnet, R. & Mäder, I. (2008): Der Atmungstherapeut. Praktische Erfahrungen ein Jahr nach Einführung. In: Pneumologie, 62(11): 685-689. Stuttgart: Georg Thieme.

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Christopher Bublitz
Atmungstherapeut (DGP); Fachkrankenpfleger An/Int am Universitätsklinikum Augsburg
Redaktionelle Verantwortlichkeit am Universitätsklinikum Augsburg

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