Snoezelen

Was bedeutet Snoezelen?

Snoezelen ist ein Phantasiewort, es beinhaltet die beiden niederländischen Wörter „snuffelen“ (schnüffeln) und „doezelen“ (dösen). Einfach ausgedrückt steht es für die Seele baumeln lassen und sich entspannen.

Es wurde von zwei niederländischen Zivildienstleistenden im Jahre 1978 in einem Heim für Menschen mit (Mehrfach)- Behinderung erfunden. In den 1980er Jahren kam die Methode erstmals in Deutschland zum Einsatz und hat sich bis heute fest in der Kinderbetreuung, aber auch in der Arbeit mit Senioren etabliert.

Was steckt hinter dem Konzept Snoezelen und welche Materialien werden angewendet?

Unsere Welt wirkt auf kognitiv eingeschränkte Personen ganz komplex. Sie sind deshalb oft nicht in der Lage diese Reize differenziert zu betrachten, beziehungsweise auf Situationen angemessen zu reagieren. In der Realität werden Betroffene oft durch zu viele Reize überfordert, deshalb möchte man mit Snoezelen die Reize selektiv anbieten. So kann sich der Betroffene auf einen Reiz konzentrieren.

Hinter dem Snoezelen steht ein Einfaches, aber doch multifunktionales Konzept: In einem besonders ansprechend gestalteten, weißen Raum werden über Licht-, Klang- und Tonelemente, Aromen und Musik Sinnesempfindungen ausgelöst. Diese wirken auf die Wahrnehmungsbereiche entspannend und aktivierend.

Folgende Materialien können beispielsweise verwendet werden: Heu, Igelbälle, Massageöle, Duftkerzen, Aromaöle, Kuscheltiere, Lavalampen, dimmbare Beleuchtung, Lichterketten, Sitzsäcke, Decken, Kissen, Diaprojektoren, Musikanlage, Klangschalen, verschiedene Lebensmittel.

Abbildung 1 Snoezelen Raum (ISNA, 2020)

Welche Anwendungsbereiche gibt es?

Seniorenheime, Hospize, Krankenhäuser (Onkologie), Psychiatrien, Kindergärten, Schulen/ Vorschulen, Förderinstitutionen

Angewendet werden kann Snoezelen bei:

Psychischen Problemen (z.B. Stress, Magersucht) 

Physiologischen Erkrankungen (z.B. Demenz, erhöhte Schmerzzustände) 

Emotionalen Problemen (z.B. Depression, erhöhter Gewaltbereitschaft) 

Mangelnder Konzentration und Motivation  

Isolation (z.B. Corona)

Welche positiven Effekte können erzielt werden?

Snoezelen soll immer Wohlbefinden erzeugen. In der ruhigen Atmosphäre werden den Menschen Ängste genommen und sie fühlen sich schneller geborgen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Snoezelen für alle Altersgruppen geeignet ist.

Beispiele:

Allgemeine Verbesserung der Lebensqualität 

Zugang und Kommunikationsmöglichkeiten finden 

Individuelle Bedürfnisse erkennen und befriedigen 

Erleichterung der Körperpflege (z.B. Mundpflege)

Aufmerksamkeit aktivieren

Wohlbefinden erzeugen 

Beschäftigung 

Förderung von Vertrauen und Entspannung 

Neue Wahrnehmungsdimensionen erleben 

Stressbewältigung 

Gefühle ausleben 

Selbstständigkeit fördern 

Abbau fixierter Verhaltensmuster 

Vertrauensvollere Entwicklung einer Beziehung 

Ruft Erinnerungen hervor (z.B. bei Demenz)

Studienergebnisse

Inzwischen gibt es zahlreiche Studien aus verschiedenen Ländern, welche die Wirkung des Konzepts bestätigen. Viele Daten wurden erhoben und gesammelt durch die International Snoezelen Association (ISNA). 

Eine Studie, die im Jahr 2004 von der Universität Utrecht durchgeführt wurde, untersuchte die Wirkung von Snoezelen auf Stimmung und Verhalten in sechs Altenpflegeheimen. Nach 18 Monaten, in denen das Konzept angewandt wurde, konnten folgende Auswirkungen festgehalten werden:

Die Bewohner und Bewohnerinnen …

… zeigten weniger apathisches und aggressives Verhalten 

… zeigten eine positivere Grundstimmung 

… zeigten mehr Freude 

… sprachen mehr in ganzen Sätzen

Podcast – Hören Sie gerne rein!

Podcast # 01 Snoezelen Basics von Sabrina Tilmes & Lisa Daufratshofer

Podcast # 02 Snoezelen Praktische Umsetzung von Stefan Wörner & Lisa Daufratshofer

Literatur

ISNA (2020): International Snoezelen Association ISNA. Snoezelen professional e.V. Online verfügbar unter: http://www.isna.de/index3.html (zuletzt geprüft am 15.02.2022).

Löding, C. (2004): Snoezelen. München: Urban & Fischer.

Mertens, K. (2005): Snoezelen. Untersuchungen zu Wirkungsweisen innerhalb der Rehabilitationspädagogik. In: Rehabilitationswissenschaften 3(48-52).


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Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt CARE REGIO am Universitätsklinikum Augsburg
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt CARE REGIO am Universiätsklinikum Augsburg

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