Das 6-Schritt-Modell nach Fiechter und Meier

Lena Keppeler M. Sc., Ricarda Walk M. Sc. and Lisa Daufratshofer M. A./ April 19, 2022/ Beruflich Pflegende, Pflegestudierende, Pflegewissenschaft/ 0Kommentare

Abbildung 1 6-Schritt-Modell nach Fiechter und Meier 1989 (Bollmann, 2018; I care Pflege, 2020).

Im Folgenden werden die jeweils einzelnen Schritte detailliert erklärt.

1. Informationssammlung

  • Die Qualität der Informationen ist für den weiteren Pflegeprozess von enormer Bedeutung.
  • Die Informationssammlung ist ein kontinuierlicher Prozess, aufgrund dessen es notwendig sein kann den Pflegeprozess zu verändern, wenn neue Informationen hinzukommen.
  • Quellen/Instrumente der Informationssammlung
  • Schriftliche Unterlagen (z. B. Pflegeverlegungsbericht)
  • Erst-/Aufnahmegespräch mit körperlicher Untersuchung
  • Pflegevisite
  • Beobachtung des Patienten
  • Durchführung von Assessments (Lektorat Pflege & Menche, 2007).

2. Erkennen von Problemen und Beobachtungen

  • Ein Pflegeproblem beschreibt die „Beeinträchtigung der Selbstständigkeit des Patienten in einem oder mehreren Lebensbereichen.“ (Lektorat Pflege & Menche, 2007).
  • Eine Ressource beschreibt die „Fähigkeit des Patienten, zu seiner Genesung beizutragen.“ (Lektorat Pflege & Menche, 2007).
  • Pflegediagnose beschreibt die standardisierte Dokumentation eines Pflegeproblems (z.B. NANDA-Pflegediagnosen) (Lektorat Pflege & Menche, 2007).
  • Pflegediagnosen sind handlungsrelevant, da sie die Grundlage für pflegerische Interventionen darstellen (Reuschenbach, 2011).
  • Aus der Informationssammlung werden Pflegeprobleme und Ressourcen des Patienten erfasst, indem die Informationen sortiert und auf ihre Bedeutung untersucht und interpretiert werden.
  • Die zentralen Pflegeprobleme und die erfassten Ressourcen werden dokumentiert (Lektorat Pflege & Menche, 2007).

3. Festlegung der Pflegeziele

  • Ein Pflegeziel beschreibt den Soll-Zustand des Patienten, der durch spezielle Maßnahmen erreicht werden soll. Unterschieden werden Nah- und Fernziele. Nahziele sollen in absehbarer Zukunft erreicht werden. Fernziele beinhalten übergeordnete Ziele (Lektorat Pflege & Menche, 2007).
  • Pflegeziele sollen nach der SMART-Regel formuliert werden, damit sie überprüfbar sind:
    • Spezifisch
    • Messbar
    • Attraktiv/ Akzeptabel
    • Realistisch
    • Terminiert (Henke, 2017)
  • Der tägliche Flüssigkeitsbedarf der Patientin in Höhe von 1,5 Liter wird erreicht.

4. Planung der Pflegemaßnahmen

  • Die Pflegenden legen in Absprache mit dem Patienten Maßnahmen für die Zielerreichung fest. Wobei dies auf Grundlage der Erfahrungen der Pflegekraft und aktuellen pflegerischen Wissensstand überprüft wird (Lektorat Pflege & Menche, 2007).

5. Durchführung der Pflege

  • Die Durchführung der geplanten Pflegemaßnahmen kann durch Standards unterstützt werden (Lektorat Pflege & Menche, 2007).
  • Während der Durchführung kommt es zu Überschneidungen mit anderen Phasen des Pflegeprozesses. Je nach Reaktion des Pflegebedürftigen werden Maßmaßnahmen gegebenenfalls verändert und somit Teile der Pflegeplanung angepasst.
  • Die Durchführung wird in der Pflegedokumentation erfasst. Die Maßnahmenplanung und die Leistungserfassung müssen dabei inhaltlich übereinstimmen (Bollmann, 2018).

6. Beurteilung der Wirkung der Pflege auf Patientinnen und Patienten

  • Die Evaluation der durchgeführten Maßnahmen umfasst:
  • Die Überprüfung der Zielerreichung
  • Die Ursachenprüfung, warum ein Ziel evtl. nicht eingetreten ist
  • Die Anpassung/Veränderung der Pflegeplanung
  • Dies kann zum Beispiel in Form einer Pflegevisite oder Fallbesprechungen beurteilt werden (Lektorat Pflege & Menche, 2007).

Schlussfolgerung

  • Für die Erhaltung und Erhöhung der Pflegequalität ist ein strukturierter Pflegeprozess notwendig.
  • Die Qualität kann durch die Durchführung des Prozesses erreicht beziehungsweise erhalten werden, indem Pflegemaßnahmen geplant, durchgeführt und evaluiert werden.
  • Der Pflegeprozess ist ein kontinuierlicher Zyklus, der eine zielgerichtete pflegerische Arbeitsweise ermöglicht, um der individuellen Situation des Patienten gerecht zu werden (Lektorat Pflege & Menche, 2007; I care Pflege, 2020).

Literatur

Bollmann, M. (2008): Der Pflegeprozess in der Altenpflege. Individuell und flexibel pflegen mit dem 4-Phasen-Modell. Hannover: Schlütersche.

Henke, F. (2017): Formulierungshilfen zur Pflegeplanung. 9., aktualisierte und erweiterte Auflage. o. O: Verlag W. Kohlhammer.

I care Pflege (2020): Arbeitsblatt I care Pflege 3.3, Pflegeprozessmodell nach Fiechter und Meier, Georg Thieme Verlag, Stuttgart. Online verfügbar https://www.thieme.de/statics/dokumente/thieme/final/de/dokumente/tw_pflegepaedagogik/3-3-Der-Pflegeprozess-nach-Fiechter-und-Meier.pdf (zuletzt geprüft am 19.04.2022).

Lektorat Pflege & Menche, N. (2007): Pflege Heute. 4. Auflage. München: Urban & Fischer.

Reuschenbach, B. (2011): Definition und Abgrenzung des Pflegeassessments. In: Reuschenbach, B. & Mahler, C. (Hrsg.). Pflegebezogene Assessment Instrumente. Internationales Handbuch für Pflegeforschung und -praxis. Heidelberg: Huber.

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Lena Keppeler M. Sc.
Pflegewissenschaftlerin am Universitätsklinikum Augsburg
Ricarda Walk M. Sc.
Pflegewissenschaftlerin am Universitätsklinikum Augsburg

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