Das 6-Schritt-Modell nach Fiechter und Meier

  Beruflich Pflegende, Pflegestudierende
Abbildung 1 6-Schritt-Modell nach Fiechter und Meier 1989 (Bollmann, 2018; I care Pflege, 2020).

Im Folgenden werden die jeweils einzelnen Schritte detailliert erklärt.

1 Informationssammlung

Die Qualität der Informationen ist für den weiteren Pflegeprozess von enormer Bedeutung.

Die Informationssammlung ist ein kontinuierlicher Prozess, aufgrund dessen es notwendig sein kann den Pflegeprozess zu verändern, wenn neue Informationen hinzukommen.

Quellen/Instrumente der Informationssammlung

Schriftliche Unterlagen (z. B. Pflegeverlegungsbericht)

Erst-/Aufnahmegespräch mit körperlicher Untersuchung

Pflegevisite

Beobachtung des Patienten

Durchführung von Assessments (Lektorat Pflege & Menche, 2007).

2 Erkennen von Problemen und Beobachtungen

Ein Pflegeproblem beschreibt die „Beeinträchtigung der Selbstständigkeit des Patienten in einem oder mehreren Lebensbereichen.“ (Lektorat Pflege & Menche, 2007).

Eine Ressource beschreibt die „Fähigkeit des Patienten, zu seiner Genesung beizutragen.“ (Lektorat Pflege & Menche, 2007).

Pflegediagnose beschreibt die standardisierte Dokumentation eines Pflegeproblems (z.B. NANDA-Pflegediagnosen) (Lektorat Pflege & Menche, 2007).

Pflegediagnosen sind handlungsrelevant, da sie die Grundlage für pflegerische Interventionen darstellen (Reuschenbach, 2011).

Aus der Informationssammlung werden Pflegeprobleme und Ressourcen des Patienten erfasst, indem die Informationen sortiert und auf ihre Bedeutung untersucht und interpretiert werden.

Die zentralen Pflegeprobleme und die erfassten Ressourcen werden dokumentiert (Lektorat Pflege & Menche, 2007).

3 Festlegung der Pflegeziele

Ein Pflegeziel beschreibt den Soll-Zustand des Patienten, der durch spezielle Maßnahmen erreicht werden soll. Unterschieden werden Nah- und Fernziele. Nahziele sollen in absehbarer Zukunft erreicht werden. Fernziele beinhalten übergeordnete Ziele (Lektorat Pflege & Menche, 2007).

Pflegeziele sollen nach der SMART-Regel formuliert werden, damit sie überprüfbar sind:

Spezifisch

Messbar

Attraktiv/ Akzeptabel

Realistisch

Terminiert (Henke, 2017)

Der tägliche Flüssigkeitsbedarf der Patientin in Höhe von 1,5 Liter wird erreicht.

4 Planung der Pflegemaßnahmen

Die Pflegenden legen in Absprache mit dem Patienten Maßnahmen für die Zielerreichung fest. Wobei dies auf Grundlage der Erfahrungen der Pflegekraft und aktuellen pflegerischen Wissensstand überprüft wird (Lektorat Pflege & Menche, 2007).

5 Durchführung der Pflege

Die Durchführung der geplanten Pflegemaßnahmen kann durch Standards unterstützt werden (Lektorat Pflege & Menche, 2007).

Während der Durchführung kommt es zu Überschneidungen mit anderen Phasen des Pflegeprozesses. Je nach Reaktion des Pflegebedürftigen werden Maßmaßnahmen gegebenenfalls verändert und somit Teile der Pflegeplanung angepasst.

Die Durchführung wird in der Pflegedokumentation erfasst. Die Maßnahmenplanung und die Leistungserfassung müssen dabei inhaltlich übereinstimmen (Bollmann, 2018).

6 Beurteilung der Wirkung der Pflege auf Patientinnen und Patienten

Die Evaluation der durchgeführten Maßnahmen umfasst:

Die Überprüfung der Zielerreichung

Die Ursachenprüfung, warum ein Ziel evtl. nicht eingetreten ist

Die Anpassung/Veränderung der Pflegeplanung

Dies kann zum Beispiel in Form einer Pflegevisite oder Fallbesprechungen beurteilt werden (Lektorat Pflege & Menche, 2007).

Schlussfolgerung

Für die Erhaltung und Erhöhung der Pflegequalität ist ein strukturierter Pflegeprozess notwendig.

Die Qualität kann durch die Durchführung des Prozesses erreicht beziehungsweise erhalten werden, indem Pflegemaßnahmen geplant, durchgeführt und evaluiert werden.

Der Pflegeprozess ist ein kontinuierlicher Zyklus, der eine zielgerichtete pflegerische Arbeitsweise ermöglicht, um der individuellen Situation des Patienten gerecht zu werden (Lektorat Pflege & Menche, 2007; I care Pflege, 2020).

Literatur

Bollmann, M. (2008): Der Pflegeprozess in der Altenpflege. Individuell und flexibel pflegen mit dem 4-Phasen-Modell. Hannover: Schlütersche.

Henke, F. (2017): Formulierungshilfen zur Pflegeplanung. 9., aktualisierte und erweiterte Auflage. o. O: Verlag W. Kohlhammer.

I care Pflege (2020): Arbeitsblatt I care Pflege 3.3, Pflegeprozessmodell nach Fiechter und Meier, Georg Thieme Verlag, Stuttgart. Online verfügbar https://www.thieme.de/statics/dokumente/thieme/final/de/dokumente/tw_pflegepaedagogik/3-3-Der-Pflegeprozess-nach-Fiechter-und-Meier.pdf (zuletzt geprüft am 19.04.2022).

Lektorat Pflege & Menche, N. (2007): Pflege Heute. 4. Auflage. München: Urban & Fischer.

Reuschenbach, B. (2011): Definition und Abgrenzung des Pflegeassessments. In: Reuschenbach, B. & Mahler, C. (Hrsg.). Pflegebezogene Assessment Instrumente. Internationales Handbuch für Pflegeforschung und -praxis. Heidelberg: Huber.

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Lena Keppeler, M. Sc.
Pflegewissenschaftlerin am Universitätsklinikum Augsburg
Ricarda Walk, M. Sc.
Pflegewissenschaftlerin am Universitätsklinikum Augsburg

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